Visionen

Du bist wunderbar !

"Wenn ich mit Schuldgefühlen rumlaufe, bin ich nicht in der Lage, mich selbst zu lieben. Und niemanden anders. Man sollte kein Haus betreten, in dem einem erzählt wird, man sei schlecht. Man sollte in ein Haus gehen, in dem einem gesagt wird: Du bist wunderbar!" Kay Pollak Regisseur von "Wie im Himmel"

Gabriellas Lied

Jetzt gehört mein Leben mir
Meine Zeit auf Erden ist so kurz
Meine Sehnsucht bringt mich hierher
Was mir fehlte und was ich bekam

Es ist der Weg, den ich wählte
Mein Vertrauen liegt unter den Worten
Es hat mir ein kleines Stück gezeigt
Vom Himmel, den ich noch nicht fand

Ich will spüren, dass ich lebe
Jeden Tag, den ich habe
Ich will leben, wie ich es will
Ich will spüren, dass ich lebe
Wissen, ich war gut genug

Ich habe mein Selbst nie verloren
Ich habe es nur schlummern lassen
Vielleicht hatte ich nie eine Wahl
Nur den Willen, zu leben

Ich will nur glücklich sein
Dass ich bin, wie ich bin
Stark und frei sein
Sehen, wie die Nacht zum Tag wird

Ich bin hier
Und mein Leben gehört nur mir
Und der Himmel, den ich suchte
Den finde ich irgendwo

Ich will spüren
Dass ich mein Leben gelebt habe

Gabriellas Lied
Von Py Bäckman
Gesungen von Helen Sjöholm
Im Film "Wie im Himmel"
Buch und Regie
Kai Pollak

Der Film ist aktuell im Kino bundesweit zu sehen.
Mit der freundlichen Genehmigung von Prokino Filmverleih.

Versöhnung

Für den Umgang mit eigenem Leid, Tätern und Opfern hat Desmond Tutu, Erzbischof in Südafrika, erhellende Beispiele in seinem Leben gegeben. Er schreibt zum Thema Einbeziehen statt Ausschließen, Versöhnung und gibt damit das Handwerkszeug das auch in der Zweierbeziehung wirkt (SZ 19.01.2006)

Versöhnung - von Desmond Tutu

"Vielerorts auf der Welt scheint es leider so zu sein, als ob sich Männer und Frauen in ihrem Sehnen nach Vergeltung nicht über die biblische Warnung "Auge um Auge" hinaus entwickelt haben. "Auge um Auge" verlangt, dass nur der Schuldige selbst das Ziel sein solle - und niemand anderes, dessen einziges Verbrechen in seiner Verwandtschaft zum Täter bestand. "Auge um Auge" sollte also nicht das bedeuten, was wir heute darunter verstehen: nämlich, dass ein Mord durch einen anderen Mord gesühnt werden soll. Dies hätte, angesichts der Brutalität der Apartheid-Ära, in meinem Heimatland nie funktioniert.

Es war eine Gnade, dass unser Land sich für den Weg der Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) entschied - und im Tausch gegen die Wahrheit Amnestie gewährte. Letztlich beruhte dies auf den Prinzipien der "Restorative Justice" (wiedergutmachende Gerechtigkeit) und des "Ubuntu" (Menschlichkeit in der Gemeinschaft). Bei den TRC-Anhörungen erfuhren wir viel über die schrecklichen Einzelheiten jener Gräueltaten, die zur Aufrechterhaltung des Apartheidsystems oder zu seiner Bekämpfung begangen wurden.

Jedes Mal, wenn derart grässliche Geschichten öffentlich gemacht wurden, mussten wir uns erinnern, dass diese Taten in der Tat dämonisch waren, jeder Täter jedoch trotz allem Gottes Kind blieb. Ein Monster trägt keine moralische Schuld und kann also auch nicht verantwortlich gemacht werden; noch gravierender aber ist, dass wir, wenn wir jemanden als Monster bezeichnen, damit jede Möglichkeit seiner Rehabilitation ausschließen. "Restorative Justice" und "Ubuntu" basieren fest auf der Anerkennung der fundamentalen Menschlichkeit selbst des denkbar schlimmsten Verbrechers.

Wir dürfen niemanden aufgeben. Wenn es stimmte, dass Menschen sich nicht ändern können, dass wer einmal ein Mörder ist, immer wieder morden wird, so wäre der gesamte TRC-Prozess nicht möglich gewesen. Er ereignete sich, weil wir daran glaubten, dass selbst der schlimmste Rassist das Potenzial in sich trägt, sich zu ändern. Und ich glaube, wir sind damit in Südafrika nicht schlecht gefahren; zumindest scheint die übrige Welt in Bezug auf den Wandel unseres Landes dieser Ansicht zu sein. Denn "Auge um Auge" kann niemals funktionieren, wenn Volksgruppen miteinander im Konflikt stehen - jede Vergeltungsmaßnahme führt nur zu weiterer Vergeltung, in einer Spirale des Blutvergießens von der Form, wie wir sie im Nahen Osten erleben.

Bei der Art von Gerechtigkeit, wie Südafrika sie praktiziert hat, geht es anders als bei der Vergeltung nicht in erster Linie um Bestrafung. Strafe ist nicht das grundlegende Prinzip. "Restorative Justice" legt großen Wert auf Heilung. Das Verbrechen hat einen Bruch in den Beziehungen verursacht, und dieser Bruch muss geheilt werden. "Restorative Justice" betrachtet den Täter als Person, als Subjekt mit einem Sinn für Verantwortung und einem Sinn für Scham; er muss wieder in die Gemeinschaft eingegliedert werden und darf nicht aus ihr ausgeschlossen werden. Den alten Sitten und Gebräuchen der afrikanischen Gesellschaft wohnt ein enormes Maß an Weisheit inne. Gerechtigkeit war Sache der Gemeinschaft, und die Gemeinschaft legte großes Gewicht auf gesellschaftliche Eintracht und Frieden. Man glaubte, dass ein Mensch nur durch andere Menschen zum Menschen wird, und dass ein zerbrochener Mensch Hilfe braucht, um Heilung zu finden. Was das Verbrechen gestört hatte, sollte wiedergutgemacht werden, und Täter und Opfer musste bei der Aussöhnung geholfen werden.

Gerechtigkeit als Vergeltung ignoriert häufig das Opfer, und das System ist in der Regel unpersönlich und kalt. "Restorative Justice" ist hoffnungsvoll. Sie glaubt daran, dass selbst der schlimmste Verbrecher ein besserer Mensch werden kann. Das bedeutet nicht, gegenüber dem Verbrechen nachsichtig zu sein. Die Täter müssen die Schwere ihrer Verbrechen anhand der Strafhöhe erfahren, aber es muss Hoffnung geben, Hoffnung, dass der Täter, nachdem er seine Schuld an der Gesellschaft bezahlt hat, wieder ein nützliches Mitglied dieser Gesellschaft werden kann. Wenn wir so handeln, als ob wir wirklich daran glauben, dass jemand ein besserer Mensch sein kann, ein besserer Mensch ist, dann wird derjenige häufig entsprechend unseren Erwartungen wachsen."

Quelle: Süddeutsche Zeitung Nr.15, Donnerstag, den 19. Januar 2006 , Seite 2

Wenn der Wunsch nach Versöhnung den Wunsch nach Rache übersteigt, oder die Vernunft diese Rachgelüste zügeln kann - gibt es Aussicht auf Heilung der Beziehungen im Kleinen wie im Großen.